Example Article II
Wenn Du nachts, während des Einschlafens, von
Bremsenquietschen geweckt würdest und sofort wüsstest, dass gerade
Deine Katze überfahren wurde: Du rennst raus, findest das Tier,
schwerst verletzt. Es sieht Dich an. Du weißt: Sie erkennt Dich. Du
weißt: Das Tier muss erlöst werden. Möglichst schnell und sanft.
Deine Narkotika hast Du alle schon selbst verbraucht. Das Tier muss
erlöst werden. Möglichst schnell und sanft. Aufheben, vorsichtig,
zurück in die Wohnung, sie zärtlich auf ihren Lieblingsplatz legen,
Dein Handrücken sacht gegen ihre Wange, Panik, Du packst sie
fürsorglich in das erstbeste T-Shirt, Handtuch, Kissen, Decke,
Tierärztlicher Notdienst, Telefonbuch, blättern, suchen, hektisch
und wenig zielsicher, halb vier morgens, telefonieren, OH MEIN
GOTT!, in der nächstgrößeren Stadt!? Das Tier muss erlöst werden.
Möglichst schnell und sanft. Du gehst im Geiste sämtliche
Substanzen durch, die Du im Badezimmerschränkchen hortest, als Du
die Küchenutensilien durchgehst zieht sich Dir der Magen zusammen.
Das Tier muss erlöst werden. Schnellstens. Erschlagen. Bio.
Eidechse. Evolution. "Stammhirn", "vegetativ", "verlängertes
Rückenmark", "Kleinhirn", "Reflexe", "Hirnstamm". Ein Schlag,
zwischen Wirbelsäule und Schädel, fest genug um das Rückenmark zu
durchtrennen, so gerichtet, dass gleichzeitig die alten Teile des
Gehirns zerstört würden. Es dauert schon viel zu lang. Ein Schlag,
und das Leiden hat ein sofortiges Ende. Dir wird schlecht: ein
Schlag und ihr habt beide Eure Ruhe. Die einzige Möglichkeit. Die
einzige sichere Möglichkeit. Eine faire Lösung. Trauern kannst Du
dann immer noch, wirst Du noch, ganz sicher, ein kleiner Trost.
Aber. Das letzte, was Minka sähe, wäre Deine Hand, die geliebte,
die den Hammer führt. Amateur.